Spezielle Forschungsfelder

Sozialisation und Identitätskonstruktionen – Das moralische Selbstverständnis früher Nationalsozialisten in Autobiographien
Gegenstand der Forschung sind hier nationalsozialistische Autobiographien aus dem Jahr 1934, die qualitativ-rekonstruktiv ausgewertet werden. Methodisch und empirisch ist dabei die Theorie der Dialogizität des russischen Literaturwissenschaftlers Michail Bachtin ein Bezugspunkt. In Auseinandersetzung mit anderen sozialwissenschaftlichen Analysemethoden wurde aus ihr eine Methode zur `Stimmenanalyse` entwickelt. Die Forschung ist allgemein und historisch ausgerichtet und beschäftigt sich mit der Frage, wie moralische Identität im Kontext von Bildungs- und Sozialisationserfahrungen konstruiert wird. Die Analyse der moralischen Selbstkonstruktionen früher Nationalsozialisten anhand autobiographischer Dokumente stellt einen Beitrag zur gegenwärtigen Täterforschung unter entwicklungs-, bildungs- und sozialisationstheoretischer Perspektive dar.

Kindheit und Jugend in Erziehungs- und Bildungsinstitutionen 
Im Vordergrund steht die biographietheoretisch fundierte, empirisch-qualitative Analyse von `Kindheit` und `Jugend` im Kontext sozialisatorisch relevanter Institutionen. Die zentrale Frage beschäftigt sich mit Faktoren, Strategien und Mechanismen für Bildungserfolg oder -misserfolg. Bildung wird hier in einem erweiterten Sinne als Prozess der Selbst- und Weltaneignung, als ein Prozess der Selbstkonstruktion verstanden. Neben individuellen, milieuspezifischen und gesellschaftlich-kulturellen Aspekten sind in dieser Studie besonders die Zusammenhänge zwischen sozialisationsspezifischen Einflüssen und den entwicklungspsychologisch relevanten selbstkonstruktiven Aneignungsprozessen interessant. Die zentrale Frage ist, in Abgrenzung zu bekannten psychologischen Resilienzfaktoren, die nach pädagogischen Resilienztfaktoren, z.B. Selbstbildungs- und Selbsterziehungsstrategien der Akteure.