Herbsttagung 2019 der DGfE-Kommission Psychoanalytische Pädagogik

"Pädagogische Professionalisierung im Spannungsfeld von Integration der Emotionen und 'neuen' Disziplinierungstechniken"

an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel, Abteilung Allgemeine Pädagogik, in Kooperation mit Erasmus+ Projekt pro-inklusiv-reflexiv

WANN? - Freitag, 4. Oktober 2019, 13 Uhr bis Samstag, 5. Oktober 2019, 16 Uhr
WO? - Universität Kiel, Gebäude Leibnizstr. 1, Leibnizstr. 1, 24118 Kiel

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Call for Papers

Der Umgang mit Affekten und Gefühlen stellt sich in der Geschichte pädagogischer Strukturen und Beziehungen äußerst ambivalent dar. Die Ideengeschichte der Pädagogik dokumentiert ein nahezu gleichzeitiges Propagieren des Bekämpfens und Besiegens, des Kontrollierens und Ignorierens, aber auch das Idealisieren der Vorgängigkeit und Unentbehrlichkeit von als höchst produktiv stilisierten Emotionen. Zugleich gelten Emotionen als Ergebnis und Erzeuger gesellschaftlicher und sozialer Verhältnisse, als „kulturell, sozial[e], diskursiv reguliert, formiert und überformt“ (Magyar-Haas 2018, S. 21). Emotionen können einen starken Motor, aber auch ein großes Risiko in Erziehungs-, Bildungs- und Lernprozessen darstellen.

Gefühle, Affekte und Affektlogiken sind genuine Themen der Psychoanalytischen Pädagogik. Affekte begleiten unser Handeln oder gehen ihm voraus. In einem psychoanalytisch-pädagogischen Professionsverständnis ist eine Kultivierung der Affekte und Gefühle Programm. Pädagog*innen sind für einen gezielten und reflektierten Umgang mit Affekten und Gefühlen, den eigenen und fremden, zu professionalisieren. Konträr dazu stehen gegenwärtige Konjunkturen, die gerade eine Gefühlsunabhängigkeit, ein von Gefühlsregungen unbelastetes Handeln propagieren und vorgeben, sich auf die Regulation des Verhaltens zu konzentrieren. Das Ideal einer leidenschaftslosen, affektfreien, objektiven Konsequenz auf ein (Fehl-)Verhalten durch ‚neue Autorität’ stellt ein Ideal der modernen Intervention in pädagogischen Kontexten dar (z.B. Omer/Schlippe 2010).

Vor allem für die professionelle pädagogische Arbeit in der Schule zeigt sich eine Diskrepanz zwischen erziehungswissenschaftlichem Diskurs einerseits und den Disziplinierungs- und Strafpraktiken in den Institutionen andererseits (Richter 2018); für die professionelle Arbeit in anderen pädagogischen Feldern könnte gleiches gelten. Daraus entstehen einige für die Pädagogik in Theorie und Praxis zentrale Fragen: Welchen Einfluss hat eine auf Verhaltenssteuerung orientierte Praxis auf die emotionale Entwicklung von Kindern und Jugendlichen? Welche Bedeutungen und Effekte lassen sich für die pädagogische Professionalisierung ableiten? Und schließlich: Welche Geltung hat die hier vorgetragene Diskrepanzthese wirklich?

Eine offene Forschungslage ist hinsichtlich der Motive und Motivationen für diese Praktiken zu erkennen. Strafen in der Erziehung ist out – Konsequenzen sind in. Könnte die emotionale Verführung durch die neuen Disziplinierungstechniken darin bestehen, dass scheinbar straf- und gewaltfrei allenfalls „logische Konsequenzen“ gezogen werden? Wobei zu reflektieren wäre, was Konsequenz und auch Sanktion als Ersatzbegriffe von Strafe bedeuten. Wird damit das Phänomen des Strafens in der Pädagogik gewissermaßen positiv verschleiert? Weiter wäre zu fragen: Was bzw. welche Gefühlsregung wird abgewehrt, was wird wie ausgelebt? Welche Kompromissbildungen werden gefunden, welche Form der Konfliktlösung zeigt sich hier?

Der Themenkomplex Emotion-Verhaltensregulation-Professionalisierung ist demnach von hoher Relevanz für den psychoanalytisch-pädagogischen Diskurs und erhält eine aktuelle Brisanz dadurch, dass

  • im Zuge der inklusiven Transformation des Bildungssystems mehr Kinder und Jugendliche mit fehlangepasstem Verhalten, mit emotionalen und sozialen Beeinträchtigungen, zum Beispiel aufgrund von belastenden Beziehungs-, Migrations- und Fluchterfahrungen allgemeine pädagogische Einrichtungen besuchen. Ängste bei den Fachkräften, insbesondere vor dem Verlust von Autorität werden wach, was sie empfänglich für Kontroll-, Disziplinierungs- und Strafpraktiken machen kann. Deren Einsatz kann bei den betroffenen Kindern und Jugendlichen verstärkt zu Gefühlen von Ohnmacht und Kontrollverlust führen, was die Verfestigung von Störungen begünstigt.
  • Studierende während ihrer primären professionellen Sozialisation im Praktikum häufig Straf- und Disziplinierungspraxen in pädagogischen Institutionen erleben und sich dazu ins Verhältnis setzen müssen. Dieser für Studierende schwer integrierbare Konflikt zwischen dem straffreien erziehungswissenschaftlichen Diskurs der Hochschulen und möglichen Disziplinierungspraktiken in pädagogischen Einrichtungen kann für sie in einer geradezu existentiellen Dimension aufscheinen, was eine bewusste Bearbeitung des Themas erforderlich macht.

Bei der Tagung soll dieser in der Forschung noch wenig fundierte Zusammenhang von Pädagogischer Professionalisierung, Emotionen und Verhaltensregulation ausgearbeitet werden.

Für die Tagung sind Beiträge erwünscht, die in ihren Analysen den Diskurs der Psychoanalytischen Pädagogik aufgreifen und folgende zentrale Aspekte thematisieren:

  1. Theoretische und historische (begriffliche, sozial- und professionsbezogene) Beiträge zu Affekten und Gefühlen, ihrer Bedeutung und zum Umgang mit ihnen in pädagogischen Kontexten
  2. Aktuelle theoretische und praxisbezogene Positionen von Psychoanalyse und Psychoanalytischer Pädagogik zu Strafe, Disziplinierung und Kontrolle und ihrer Bedeutung in pädagogischen Prozessen
  3. Theoretisch und methodisch ausgerichtete Beiträge zu Möglichkeiten der Bewusstmachung, Bearbeitung und Integration von unangenehmen und abgelehnten Affekten und Gefühlen
  4. (Fall-)Analysen aus verschiedenen pädagogischen Kontexten zur Dynamik von Emotionen, Handlungsbereitschaften und Interaktionsmustern, zu Konfliktsituationen in pädagogischen Organisationen, biographiebasierte Untersuchungen, …

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Herzliche Grüße!

Nicole Welter & Bernhard Rauh

Beitragseinreichung

Die Herbsttagung der Kommission steht ausdrücklich für ein konstruktives Miteinander von Wissenschaftler*innen und Praktiker*innen, weshalb sowohl Übersichtsbeiträge als auch Beiträge aus Qualifizierungsarbeiten, hochschulischen Forschungen und Projekten sowie Praxisprojekten und -studien sehr willkommen sind.

Wir freuen uns auf folgende Beitragsformate:

  1. Panel (2-3 Beiträge zu einem Rahmenthema, Gesamtzeit des Panels: 90 min)
  2. Einzelbeitrag (20 min + 10 min Diskussionszeit)
  3. Workshops (im Regelfall auf der Basis von Forschungsmaterial: 90 min)
  4. Poster

Wenn Sie sich darüber hinaus vorstellen können, Ihren Panel- oder Einzelbeitrag auch als Plenumsvortrag im Umfang von 40 min zu halten, bitten wir Sie, uns dies mitzuteilen. Neben den eingeladenen Vorträgen beabsichtigen wir, zwei bis drei Beiträge aus den Einreichungen als Hauptvorträge in das Programm aufzunehmen.

Bitte senden Sie Ihre Einreichungen bis zum 30.04.2019 mit untenstehenden Informationen an Nicole Welter, welter@paedagogik.uni-kiel.de

Betreff: PaPäd 2019
Name, institutionelle Verortung
Titel, Form (Panel, Einzelbeitrag, Workshop, Poster)
Abstract (80-150 Wörter)

Rückmeldung bzgl. der Annahme erhalten Sie bis spätestens 31.05.2019.

Anmeldung

Anmeldezeitraum: 1.6. bis 30.8.2019. Informationen zum Anmeldeprozedere folgen später. Bitte achten Sie darauf, dass der Meldeschluss für Zimmerkontingente (siehe dazu den Abschnitt "Übernachtung") bei den meisten Hotels schon am 23.8.2019 liegt, also noch vor dem Ende des Anmeldezeitraums. 

Tagungsgebühren

ReferentInnen und DGfE-Mitglieder: 50,- EUR
Nicht-Mitglieder: 60,- EUR
Studierende: 20,- EU

In der Tagungsgebühr ist die Pausenverpflegung (Kaffee- und Mittagspause) enthalten.

Bitte überweisen Sie die Tagungsgebühr auf folgendes Konto:

Die Bankverbindung wird noch nachgereicht.

Eine Teilnahme- und Zahlungsbestätigung erhalten Sie vor Ort.

Anreise

Der Veranstaltungsort (Adresse oben) ist mit dem Auto und dem Öffentlichen Nahverkehr gut zu erreichen. Direkt neben dem Veranstaltungsgebäude ist ein großer Parkplatz, der ohne Zugangsbeschränkung benutzt werden kann. Die Bushaltestelle befindet sich direkt vor dem Veranstaltungsgebäude und hat den Namen "Leibnizstraße". Dort halten die Buslinien 6, 61, 62, 81. Davon fahren die Buslinien 61, 62 und 81 vom und zum Hauptbahnhof. Liniennetzplan herunterladen. Fahrplanauskunft

Weitere Anreiseinformationen können Sie dem folgenden Lageplan der Universität entnehmen, insbesondere dem Abschnitt "Anfahrt Campusbereich C und D / Leibnizstraße". Lageplan als pdf-Datei herunterladen 

Übernachtung

Eine möglichst frühzeitige Buchung der Unterkunft wird dringend angeraten, weil am 3.10. Tag der Deutschen Einheit ist und die offiziellen Feierlichkeiten dieses Jahr in Kiel stattfinden.

Der Veranstaltungsort liegt im Kieler Stadtteil Ravensberg. In der Nähe gibt es nur wenige Hotels: B&B Hotel Kiel Wissenschaftspark 

Zimmerkontingente:
Über die städtische Kiel-Marketing GmbH stehen bis zum 23.08.2019 Zimmerkontingente folgender Hotels in Preislagen von 87,- bis 166,- EU zur Verfügung: Atlantic Hotel, Golden Tulip, Hotel niu Welly, Intercity Hotel Kiel, Hotel Berliner Hof, Hotel Maritim, Hotel am Kieler Schloss. Detaillierte Informationen können Sie dem Buchungsformular entnehmen.

Weitere Zimmerkontingente bietet das Hotel Birke, Martenshofweg 8, D-24109 Kiel (Telefon: +49 431 5331 300, info@hotel-birke.de) an. Das Hotel liegt nicht im Innenstadtbereich. Deadline für Buchungen: 04.09.2019. Für den Weg zum Veranstaltungsort steht zwischen 07.15 - 10.45 Uhr ein kostenfreier Shuttle-Service zur Verfügung. Für die Zimmer gelten folgende Konditionen (buchbar mit dem Stichwort "Tagung Psychoanalytische Pädagogik"):